Mistel Apfelbaum Baumschnitt
Baumpflege Streuobst Ultra

Die Mistel und der Obstbaum

Viele Menschen kennen das Bild gut: Alleebäume, Gehölze neben Autobahn und Bundesstraße. In der blattlosen Saison mit auffallenden, dicht-kugeligen Gewächsen in der Krone. Manche Bäume sind dabei sogar fast durchgehend grün.

Manchem könnte der Gedanke an Miraculix, den ehrwürdigen Druiden aus dem Comic Asterix, kommen, der die Mistel für seinen Zaubertrank benötigt.

Tatsächlich wurde die Mistel von alters her als mystisches Kraut gegen verschiedene Krankheiten genutzt, aber auch gegen Geister und andere drohende Unglücke, etwa Brände, indem sie an der Haustür aufgehängt wurde.

Heute ist noch vielerorts die Tradition des „Sich-Küssens-unter-dem-Mistelzweig“ in der Weihnachtszeit bekannt.

Was sind Misteln?

Die Weiße Laubholzmistel (Viscum album album) ist die in Mitteleuropa bekannteste und am weitesten verbreitete Art. Es handelt sich um einen immergrünen Halbschmarotzer, der kugelförmig in den Baumkronen wächst.

Es gibt viele weitere Arten. Hier wird nur auf die für die europäischen Breitengrade relevante sich stark ausbreitende Weiße Laubholzmistel eingegangen.

Die weiße Laubholzmistel ist zweihäusig, es gibt also getrennt männliche und weibliche Pflanzen. Die weiblichen Misteln tragen ab dem 5. Jahr die typischen weißen, klebrigen Beeren. Die männlichen Misteln haben kleine, grünliche Blüten. Oft finden sich Misteln auf den Misteln, daher können sie zweigeschlechtlich wirken.

Mistel auf der Mistel: die Beeren fallen ab und keimen auf der bestehenden Mistel oder in unmittelbarer Nähe an demselben Ast.

Wie wächst die Mistel?

Die Halbschmarotzer betreiben ganzjährig eigene Photosynthese, zapfen jedoch die Leitungsbahnen des Wirtsbaumes an. Dadurch entzieht die Mistel ihrem Wirtsbaum – das sind typischerweise Apfel-, Birn- und Kirschbäume sowie auch Pappeln und Linden – dauerhaft Wasser und Nährstoffe.

Keimt ein Mistelsamen aus, bildet er zunächst eine Haftscheibe, die ihn an Ort und Stelle hält. Nach etwa einem Jahr bildet sich daraus die sogenannte Haustorie, die sich in die Rinde des Wirtsbaumes bohrt und sich schließlich mit den Leitungsbahnen verbindet.

Jedes Jahr verzweigt sich die Mistel einmal. Insgesamt dauert es Jahre, bis sie eine weithin sichtbare Größe erreichen.

Die Bestäubung der Blüten, die nach etwa 5 Jahren das erste Mal erscheinen, erfolgt durch Insekten.

Querschnitt Ast mit Mistel
Hell abgesetzte Stellen im Apfelholz sind die Mistelwurzeln.

Die für den Ast verfügbare Fläche für die Versorgung durch Assimilate und Wasser wird erheblich kleiner, je weiter die Mistel ihre Wurzelfläche vergrößert.

Hier ist das gut zu erkennen an den verbliebenen Leitungsbahnen (die hellorange wirkenden Rindenteile), welche gegenüber einem gesunden Ast nur noch etwa 1/3 der Fläche einnehmen.

Der ständige Entzug von Wasser und Nährstoffen – auch im Winter – schwächt den Baum, verringert den Fruchtertrag und macht ihn anfälliger für Krankheiten und Trockenstress. Langfristig führt dies zum Absterben einzelner Äste bis hin zum gesamten Baum.

Wie verbreitet sich die Mistel?

Ihre Verbreitung erfolgt hauptsächlich durch Vögel, insbesondere der Misteldrossel, aber auch anderen Arten. Die Vögel fressen die klebrigen Beeren und streifen die Samen mit dem Schnabel an Ästen ab oder scheiden sie aus, wodurch sie auf neue Bäume gelangen.

Innerhalb eines Baumes fallen die Samen bei Überreife ab und bleiben an niedrigeren Ästen hängen, sodass die Bäume im Verlauf von oben nach unten besiedelt werden.

Der Vormarsch der Mistel wird durch milde Winter, Trockenperioden, aber auch die vielerorts mangelhafte Baumpflege begünstigt.

Obstbäume sind besonders betroffen, da ihre lockeren, nicht ganz so hohen Kronen gute, geschützte Anflugplätze für Vögel bieten. Aber auch Alleebäume und Forste werden befallen.

Alleebäume mit Misteln
Alleebäume mit Misteln

Rechtliche Sachlage

Die weißen Laubholzmisteln stehen nicht unter Naturschutz. Ihre Entfernung ist erlaubt, sogar notwendig.

Welche Maßnahmen gibt es zur Bekämpfung?

Eine chemische Bekämpfung ist nicht zielführend und praktisch unmöglich. Misteln müssen mechanisch – durch Baumschnitt – entfernt werden.

Frühes Eingreifen ist sinnvoll. Eine regelmäßige Kontrolle der Bäume ist essenziell.

Durch regelmäßigen, fachgerechten Baumschnitt kann der Baum je nach Befallsstadium schonend von Misteln befreit werden. Je nachdem, ob Zweige im Außenbereich der Krone oder tragende Starkäste befallen sind, bedarf es verschiedener Behandlung des Baumes.

Gibt es Handlungsbedarf?

Ja, es gibt dringenden Handlungsbedarf. Jeder einzelne, aber auch die Kommunen können hier viel tun:

Zum Beispiel können sie in ihren Satzungen eine Mistelstrategie erarbeiten, die für die Gesamtflächen gelten. Des weiteren können explizite Anweisungen in die Ausschreibungen aufgenommen werden, die Baumpflegebetrieben die fachlich korrekte Entfernung von Misteln in Straßenbäumen, Alleen und auf sonstigen kommunalen Flächen vorgeben.

Auch die Aufklärung der Bevölkerung ist nicht zu unterschätzen, haben doch viele noch „ein Obststückle“. Auch wenn dieses möglicherweise nicht mehr bewirtschaftet wird, kann die Gemeinde für die Entmistelung Anregungen bieten, so gibt es beispielsweise Vereine, die mithelfen und Arbeitszeit zur Verfügung stellen können.

Zudem gibt es immer mehr Baumwarte, die eine fachgerechte Pflege von Obstbäumen anbieten und auch beratend zur Seite stehen (https://www.obstbaumschnittschule.de/baumwarte-finden/).

Ein erster Schritt in Hessen ist die Streuobstförderrichtlinie (https://landwirtschaft.hessen.de/presse/hessen-staerkt-seine-streuobstwiesen), die Prämien für die Entmistelung von Obstbäumen vorsieht.

Im Thüringer Handlungskonzept (https://umwelt.thueringen.de/fileadmin/Publikationen/Publikationen_TMUEN/Streuobst_Final.pdf) sind bereits seit längerem weitergehende Maßnahmen verankert, die eine Mistelbekämpfung strategisch, flächendeckend vorsieht und auch fachliche Standards vorgibt.

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